Bildung

AUF DER FAHRT

vom Flughafen durch Novi Beograd (“Tito wollte der Welt zeigen, wie modern der jugoslawische Sozialismus bauen kann und hat zum Beispiel berühmte Architekten wie Le Corbusier engagiert, da war vorher nichts, nur Sumpfland”)

neustadtpanorama | novi beograd | 2013 by feliksbln on Flickr.

(Foto via Komalantz.tumblr.com)

ins Zentrum. Das „West-Tor“ von Architekt Mihailo Mitrovic wurde 1980 fertig und ist heute eines der Wahrzeichen Belgrads. Die Taverne „?“ ist nicht weniger berühmt, weil dass Esslokal in einem der ältesten Häuser im Zentrum untergebracht ist, aber sehr viel kleiner und niedriger.

„?“ heißt so seit 1892: der Besitzer bekam wegen des Kneipennamens „By the Cathedral Church“ sowohl mit Stadt als auch Kirche Probleme; deshalb „the owner put out just a question mark as a temporary solution and as sign of protest as well until dispute with authorities was resolved“, schreibt Nada Zivkovic im Heftchen, das der Tourist vom Kellner mit der Rechnung überreicht bekommt.

Das Quartett, das am Abend mit Violine, Akkordeon, Gitarre und Kontrabass aufspielte, begann mit einer regionalen Version der Titelmelodie von „Der Pate“. Der nicht nötig war, um am Freitagabend ohne Reservierung einen Tisch zu bekommen. Der Chef selbst regelte das „for my friends“ in einer Minute.



THRILLER

„Wenn im Europäischen Parlament NPD, AfD und BKA gemeinsam für ein lasches Waffengesetz eintreten, ist das ein Fall für den Verfassungsschutz.“ Roman Grafe, Süddeutsche Zeitung, 12.3.2016

Könnte das Exposé zu einem Thriller sein. Mit dem Titel: Na dann gute Nacht.

Bildergebnis für pulp covers politics



ZUM FRAUENTAG

eine großartige letzte Seite mit dem Lexikon der Woche im Freitag von Katja Kullmann über Journalistinnen. Man sollte nicht warten bis es Online steht.



WIRTSCHAFT

als das Leben selbst heißt die immer lesenswerte Dienstags-Kolumne in der jungen Welt von Helmut Höge (der außerdem den taz-blog „Hier spricht der Aushilfshausmeister!“ schreibt). Grade erschien Folge 2 von „Geldbeschaffungsmaßnahmen“: eine kostenfreie Informationsmaßnahme für unsere Abonnentinnen. Hier der Anfang, nach dem es erst richtig losgeht:

„An Bankautomaten warnen Schilder vor »Trickstern«, die an sensible Daten gelangen könnten. Im Automatenraum der Sparkasse in der Rudi-Dutschke-Straße hatten sich Trickster vor einiger Zeit was anderes ausgedacht: Vor dem Schlitz in der Wand für Überweisungsaufträge brachten sie am Wochenende einen Stahlbriefkasten an, den sie Sonntag nacht wieder abbauten – mit vielen Aufträgen drin. Damit gelang es ihnen, von den Konten der Überweiser jeweils einige hundert Euro abzuzwacken. Die Sparkasse brauchte Monate, um in allen Filialen ihre Einwurfschlitze für Überweisungsaufträge »trickstersicher« zu machen, zudem musste sie den Überweisern den Verlust ersetzen.“

https://www.jungewelt.de/2016/03-01/045.php



JETZT HAT FRANKFURT DIESE TOLLE AUSSTELLUNG

 

51865_MFK_JUKEBOX_Visual_03_2101_Seite_1 (2) Museum für Kommunikation Frankfurt Sachsenhausen

 



TRIUMPH DES GUTEN WILLENS

ist der Titel des neuen Dokumentarfilms von Mikko Linnemann über den großen, 1997 verstorbenen Publizisten Eike Geisel, der vor allem die deutsche Vergangenheitsbewältigungskultur im Visier hatte. Mit Klaus Bittermann, Henryk M. Broder, Alex Feuerherdt, Hermann L. Gremliza.

Die Termine von Berlin bis Fürth: http://gegenfeuer-produktionen.de/termine.html

Der Trailer: http://gegenfeuer-produktionen.de/subnavi/tv-triumph.html

taz-Artikel von Kristof Schreuf: http://taz.de/!5267309/

In memoriam Eike Geisel

Triumph des guten Willens  Der ultimative 460-Seiten-Reader bei Edition Tiamat (2015) mit einem Vorwort von Klaus Bittermann

 



FÜCKING HÖLL

Immer spannend, informativ und abenteuerlich finde ich die Seite „A-Z“, die die Wochenzeitung Freitag und ihre Abteilung „Alltag“ abschließt. Thema diesmal: Rockstars. Unter dem Stichwort „Umlaut“ berichtet „TP“ etwas, das ich schon immer wissen wollte, aber nie erforscht habe:

„Wieso schreiben sich so viele englischsprachige Metal-Bands mit Ü oder Ö? Den Trend setzten die Krautrocker von Amon Düül. Die Umlaute im Namen inspirierten Bands wie The Accüsed, Mötley Crüe und Motörhead. Die erste Metal-Band mit den sogenannten Röck Döts waren 1970 Blue Öyster Cult aus New York. Die Umlaute sollten den Bands eine Art ‚germanischen‘ Touch und damit ein raues Image verleihen (…) Mötley Crüe ließen sich nach eigener Aussage von der Biermarke Löwenbräu zu den Punkten anregen …“



DIE „GUTMENSCH“-GESCHICHTE

Wiglaf Droste (übrigens schon am 4.1.) über die Entwicklung des Begriffs, mit dem Untertitel: Wie aus der berechtigten Sprachkritik am Terminus „Gutmensch“ ein rechter Kampfbegriff wurde

https://www.jungewelt.de/2016/01-04/040.php?sstr=gutmensch



SAM PECKINPAH (5)

“Dann lernte ich Sam Peckinpah kennen”, schreibt Senta Berger in ihren Memoiren (S.259ff). “Sehr schmal, zart. Schüchtern. Er sagte: ‘Das ist keine tolle Rolle, die ich hier für Sie habe, aber ich bin froh, dass Sie sie spielen. Wenn wir Glück haben (…) können wir improvisieren am Drehort. Das Studio haßt es, weil sie dann keine Kontrolle haben, aber ich möchte es versuchen.’ Es war sein erster großer Studiofilm (Major Dundee, A.d.V.) mit einem enormen Budget. Peckinpah hatte von Anfang an Angst, seine Unabhängigkeit zu verlieren (…)

Der Film war ein wahrer Männerfilm. Es war für mich geradezu lächerlich, wie die Männer (…) in den Drehpausen und auch nach Drehschluß ‚Cowboy’ spielten. Wie Kinder. Jeder trug seine lächerliche Pistole im Gürtel, die Cowboystiefel wurden auch abends nicht abgelegt (…) Sam Peckinpah auf jeden Fall hatte immer schon morgens Gin in seinem Plastikbecher (…) Jerry Bresler, der ausführende Produzent für Columbia, saß immer unverrückbar hinter Peckinpah, mit dem Finger auf der jeweiligen Szene im Drehbuch. Es durfte nicht die geringste Abweichung geben (…) Wenn Sam einen seiner Sätze ändern wollte, mußte Jerry Bresler Frankovich in Hollywood anrufen (…) Peckinpah wurde mit der Zeit sehr aggressiv. Es gab schreckliche Szenen. Schreiduelle. Auseinandersetzungen.”

“Meinen nächsten Film sollte wieder Sam Peckinpah drehen (…) ‚The Glory Guys’ (…) Columbia feuerte (ihn) aber, wie der es übrigens erwartet hatte…”

“Mit Sam Peckinpah habe ich später noch einen Film gemacht:Steiner‘ (Steiner – Das Eiserne Kreuz, A.d.V.). Zu dieser Zeit hat er nicht nur schwer getrunken, sondern auch Drogen genommen (…) Der deutsche Produzent Wolf Hartwig wußte nicht, mit Peckinpah umzugehen. Seinen schneidigen, militärischen Ton vertrug Sam absolut nicht, und er schrie die schrecklichsten Flüche und Verwünschungen wie ‚Nazischwein’ und ‚hier ist kein KZ, Herr Hitler’ zurück (…) Meine Rolle stand nicht im Drehbuch. Jede Szene war improvisiert, wie Sam es gerne hatte und ich auch.”

Aus: Senta Berger: Ich habe ja gewußt, daß ich fliegen kann. Erinnerungen. Köln, 2006

*Ein Senta&Sam-Foto: http://textbaufranzdobler.tumblr.com/post/136178123951/gentlemanlosergentlemanjunkie-senta-berger-on#notes



WIR SIND HIER NICHT DIE KANDIDATEN OHNE MANIEREN

die sich nicht an die Gepflogenheiten (verdammt, fast hätten wir dieses schöne Wort vergessen…) des seriösen Journalismus halten würden, und beginnen also mit einem kurzen (das faule Pack alias „Mitarbeiter“ im, wie sie es nennen, wohlverdienten Urlaub) Jahresrückblick:

Bei einer Rede in Hamburg erinnerte konkret-Herausgeber Gremliza „an die 600.000 Bürger von Leningrad, die 1941 unter Mitwirkung eines Offiziers der 1. Panzer-Division ermordet wurden, der für seinen Einsatz mit dem Eisernen Kreuz dekoriert wurde. Sein Name: Helmut Schmidt. Davon auf zehntausend Zeitungsseiten und in tausend Sendestunden der letzten Wochen kein Wort.“ (konkret 1/16, S.4)

Und zu diesem „kein Wort“ dann noch dies: In einem Nachruf auf Lemmy Kilmister wird beklagt, dass die großen alten Rockmusiker abgetreten bzw. am Abtreten sind: „… David Bowie ist nur noch als Geist da. Bob Dylan krächzt je nach Form auf dem letzten oder vorletzten Loch. Lou Reed tot. J.J. Cale tot. Helmut Schmidt tot. Joe Cocker tot. Lemmy Kilmister jetzt auch tot …“ (Süddeutsche Zeitung, 30.12.2015, S.11)

Wie soll man das nennen? Es ist nicht Unwissenheit und es ist kein Gag. Es ist eine infame Verdrehung von Tatsachen. Um Leuten, die´s nicht besser wissen oder noch nicht wissen können, etwas anzudrehen. Lemmy hatte für diese Art miese Verkaufe immer knappe und eindeutige Kommentare auf Lager.