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ADORNO SAGT

Musik ist Abschaffung von Angst.



TÖDLICHE POSTKARTEN

Da es nun so gut wie keine Nazis mehr in Deutschland gibt (die allerletzten stehen bekanntlich grade vor Gericht) – wenn Sie uns nicht glauben, diskutieren Sie doch einfach mal mit dem für Ihren Bezirk zuständigen Verfassungsschutzbeauftragten – kann man den folgenden Artikel, den ich im März 2011 für die junge Welt schrieb, mit dem lockeren Gefühl lesen, das sich nach erfolgreich aufgearbeiteter Vergangenheit einstellt:

POSTKARTEN GEGEN NAZI-DEUTSCHLAND

Hans Falladas letzter Roman „Jeder stirbt für sich allein“ erstmals ungekürzt

Das ist eine schöne Geschichte, die man jedem guten Verlag wünscht. Erfolg haben mit einem tollen Roman. Und nicht mit dem neuen Heimatmist, der nun auf der Krimischiene und oft noch mit Comedy-Einflüssen angelabert kommt oder dieser Gegenwartsliteraturabteilung, die so neobieder-meierlich um das Familiennachtkästchen hingehäkelt ist, dass man schon nach den ersten Zeilen (mit Wolfgang Pohrt gesprochen) einen fünfstöckigen Espresso braucht.

Der Aufbau Verlag hat nun einen Hit, den niemand auf der Rechnung hatte, „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada, 1947 erschienen und seit Jahrzehnten ziemlich vergessen; eine Geschichte vom alltäglichen Wahnsinn im Nazi-Berlin und vom Widerstand eines einfachen, eigentlich unpolitischen Arbeiterehepaars. Woher das Interesse für diesen Stoff 2011 in Deutschland?

Es hat schon eine gewisse Komik, dass es der ungeahnte und fulminante Erfolg in Großbritannien, USA, Israel und anderen Ländern ist, der zu einer deutschen Neuausgabe geführt hat (die sich erstmals an Falladas ursprüngliche Fassung hält, die, schreibt Almut Giesecke im Nachwort, für die Erstausgabe geglättet worden war). Und woher das Interesse im Ausland?

Der Erfolg von „Jeder stirbt für sich allein“ bzw. in der englischen Ausgabe „Alone in Berlin“ zeige, „dass das britische Schwarzweißbild der Hitlerjahre endlich einer nuancierteren Wahrnehmung weicht“, schrieb Gina Thomas vor einem halben Jahr in der FAZ. Mag sein. Aber ich weiß nicht recht. „Endlich“ also; und endlich nuancierter. Endlich haben die Briten mal erkannt, so interpretiere ich das, dass es nicht nur den Stauffenberg-Widerstand gab, der sich so unglaublich mutig formierte, als das Regime schon am Ende war, sondern auch einen Widerstand bei den ganz einfachen Leuten. Ich bin mir sicher, dass jeder Brite das schon immer wusste, aber sich sagte, fuckin´so what, was hat´s geholfen, die Nuancen sind nun mal unter so einem großen Ganzen ziemlich egal. Was ja nicht heißt, dass so ein kleiner folgenloser Widerstand wie ihn Fallada beschreibt, jemals egal wäre.

Alles Spekulation. Man würd´s eben gern wissen; weil dieses Nazi-Deutschland in Griechenland, Italien, England und vielen anderen Ländern nicht so vergessen ist wie das die Deutschen gern hätten. Ich kann mir eher vorstellen, dass es sich irgendwie herumgesprochen hat, wie es Roger Cohen in der New York Times unter dem Titel „The Banality of Good“ beschrieb: Falladas Roman vereinige „den Horror von Conrad, den Wahnsinn von Dostoyevsky und das kühl Bedrohliche von Capotes ‚Kaltblütig‘“. Mehr Sprengkraft kann man hinter einem Roman nicht aufbauen. Und wenn er bei seinem Erfolgslauf einen Tarantino-„Inglorious Bastards“-Effekt bekommen hat und als Nazi-Thriller im Supermarkt mitgenommen wird, dann vollkommen zurecht.

Ich lasse den Text hier eine Stunde ruhen, und was passiert inzwischen? Weil der Sarrazin als Hetzredner grade etwas weniger herumkrakeelt, springt der Seehofer als dumpfer Hassredner ein. Keine Überraschung, aber immer wieder ekelhaft. Ja, Falladas letzter Roman ist bestens geeignet, um sich über die deutsche Leitkultur zu informieren.

Hans Fallada, berühmter Autor seit 1932, als er mit „Kleiner Mann – was nun?“ einen Welterfolg hatte, blieb während der Naziherrschaft in Deutschland. Ein verfemter Autor, der sich – Wiglaf Droste hat es im Juli 2003 in einer Serie für diese Zeitung beschrieben – mehr schlecht als recht durchschlug und -schrieb, mit viel Alkohol, Morphium, Tragödien. Mal musste er sich Dr. Goebbels vom Leib halten, dann war er als „gemeingefährlicher Geisteskranker“ im Irrenhaus. Immer verzweifelt auf der Linie arbeitend, den Nazis nicht ins Messer zu laufen und keine Naziliteratur zu schreiben. Es entstanden Werke, mit denen er nicht glücklich sein konnte.

Im Herbst 1946 konnte Fallada abrechnen. 668 Seiten, geschrieben in vier Wochen oder wohl besser gesagt reingehämmert, rausgekotzt; als hätte er geahnt, dass es seine letzte Chance war, es denen heimzuzahlen. Man spürt, dass er all seine Erfahrungen und seinen Hass reingepackt hat. Johannes R. Becher hatte ihm die Unterlagen über den Fall der Eheleute Hampel gegeben, die 1943 hingerichtet wurden, nachdem sie zwei Jahre lang Postkarten in Berlin ausgelegt hatten. Einige sind im Anhang abgebildet, auf der von der Gestapo als Nr. 176 registrierten heißt es: „Freie Presse! Fort mit dem Hitler Verreckungs System! Der gemeine Soldat Hitler und seine Bande stürzen uns in den Abgrund! Diese Hitler Göring Himmler Goebbels Bande ist in unser Deutschland nur Todes Raum zu gewähren!“

Um sein Ehepaar Quangel baut Fallada ein vollständiges Berliner Alltagsbild, macht einen kompletten Schwenk durchs Mietshaus, zu dessen Bewohnern auch eine alte Jüdin und SS-Männer gehören, und durch die Straßen. Sein Personal reicht vom Arbeiter Quangel über die kleine Nutte bis zur kleinen krakeelenden Nazigröße, die den Kriminalkommissaren vorgesetzt wurde. Eine Versammlung von Spitzeln, miesen Typen, verschlagenen, tretenden, kuschenden, herzlosen Drecksäcken. Eine überwältigende Trostlosigkeit, von der die wenigen Personen, die gegen das Pack sind, erdrückt werden. Oder wie Tucholsky über einen anderen Fallada-Roman schrieb, das ist „so unheimlich echt, daß es einen graut.“ Wer glaubte, ein besseres Bild vom Unterschichten-Berlin haben zu können, wird es nuancierter sehen.

Jeder stirbt für sich allein (Abb.: Vivasvanpictures.wordpress.com)

Ich habe nicht so viel und lange nichts von Fallada gelesen. Und bin überrascht, wie modern der Roman daherkommt. Durch die Aufsplitterung in 73 Kapitel, die sich gegenseitig permanent weiterzujagen scheinen. Drive, Szenenwechsel, Sogwirkung, Tempo. Das Gespür des Profis für Action und Cliffhanger. Der Stoff, aus dem die Amerikaner eine ihrer großartigen neuen Serien machen würden. Als hätte Fallada sich gesagt, hier ist das Hoffnungsloseste, was es gibt, aber ich will, dass ihr es lest, ich kriege euch, es ist ein Thriller. Der auch immer wieder einen grotesken, schneidenden Humor entwickelt, der vielleicht erst heute so ankommt. Wenn zwei kleine Spitzel die Wohnung der jüdischen alten Dame ausräumen möchten, sich dabei betrinken und von einem Nazi-Papa mit seinen eifrigen HJ-Jungs gestellt werden, die denselben Plan hatten, dann ist das auch eine komische Nummer; die mit jeder Zeile ins Bösartigste kippen kann.

Schwarzweiß wäre zu hell, Falladas Blick zieht uns in die tiefste Schwärze. Lasst selbst den letzten Funken Hoffnung fahren. Selbst dieses Ehepaar ist ja trostlos mit seinen Postkarten, und erst nachdem der Sohn auf dem Schlachtfeld gefallen ist, beginnen sie mit ihrem Widerstand. Umgeben von kleinen Denunzianten, die hinter jeder Ecke auf ihren Verräter treffen, der schon von seinem Gestapo-Kontakt hängengelassen wird. Ausgerechnet Kommissar Escherich, der die Postkartenschreiber verfolgt, eine miese und mörderische Type, faszinierend in seiner Gerissenheit, begeht zuletzt Selbstmord und sieht sich als den einzigen Menschen, den Postkarten-Attentäter Quangel überzeugen konnte. Es gibt keine Klischeefiguren in diesem Roman, Fallada seziert jeden bis ins Genaueste, und deswegen nannte es Primo Levi „das beste Buch, das je über den deutschen Widerstand geschrieben wurde.“

Erst mit dem letzten Kapitel richtete der Autor den Blick nach vorn: „Aber nicht mit dem Tode wollen wir dieses Buch beschließen, es ist dem Leben geweiht…“ Kurz nach Kriegsende trifft ein Junge auf den Vater, der für ´ne halbe Zigarette alles und jeden denunziert hatte, und der Sohn war von derselben Art gewesen. Doch der Sohn hat sich inzwischen geändert, ein neues Leben angefangen. Und nun verprügelt der Sohn den Vater, um ihn sich vom Hals zu halten. Das war Falladas Hoffnung kurz vor seinem frühen Tod. Was die Deutschen von diesem Bild und von seinem Buch hielten, erlebte er nicht.

Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein. Ungekürzte Neuausgabe, mit einem dokumentarischen Anhang. 704 S., Aufbau Verlag, Berlin 2011



GERMAN NAZI MEDICINE

Über die Meldung, eine ernsthafte Untersuchung habe ergeben, 9% der Deutschen seien politisch richtig rechts einzuordnen, könnte man sich durchaus freuen („ich dachte, es wären mehr“).

Und zitiert dann sofort wohl besser aus den Liner Notes, die Gil McKean zu Monks 68er Album Underground schrieb. Wobei er sich vor allem der Frage widmet, warum Monk auf dem Cover eine MP umgehängt hat:

„Most noticeable, perhaps, is the Nazi storm trooper. As real as he looks, he is stuffed, a trophy of Monk´s forays as a member of the French Resistance movement in World War II, the famed FFI. With a cry of, „Take that, you honkie Kraut!“ Capitaine Monk shot him clearly and truly through the heart.“

Gilt eben für alle Lebensbereiche: Wer auf Monk hört, fährt besser.



NYC:NORTON REC NEEDS HELP!

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For the first time in Norton’s history, we are asking for your help. It has been entirely against our policy and nature to ask anyone for anything, in the entire history of our magazine and label. It hurts us to even suggest that any of you who have supported the label and our artists by purchasing Norton records over the years, to support us over and above with a donation. But it has indeed come to this. We have added a donate button to our website.  Here’s the story. Every penny of what you donate will go into remanufacturing record jackets and sleeves for the vinyl that we salvage. No donation money will go into our day to day expenses so long as we can go forward on a minimal budget. If we get to the point where we cannot meet our monthly budget, we will ask again. But now, all donations go into getting the Norton label records back out to the public. We will write more about the procedure in days and weeks to come. Several people have benefits in the works, and we are grateful to you all. Send us any benefit links and we will post and propagate on the Norton site. If any of you are computer, website, internet geniuses, share your smart thoughts with us.

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So, Norton Records and our print subsidiary Kicks Books has been savaged by Hurricane Sandy. Our stock and archive has been housed for the past seven years in Red Hook Brooklyn, at the historic Van Brunt Warehouses, pre-Civil War brick warehouses that were built to warehouse DRY GOODS — tea, coffee, spices, and sugar. In fact the Domino Sugar Co. warehouse was right next to our place until recently, when their silo was torn down. There was no doubt in our minds that the Red Hook warehouse was secure– it had withstood 150+ years of nature’s fury, after all. The insane and demonic combination of the hurricane, the high tide, the full moon and full-on interplanetary wrath resulted in a vortex that tore directly in through the waterways separating Brooklyn from Staten Island and straight into the island of Manhattan.

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Most of you know the history of the label. Billy Miller and myself (this is Miriam Linna here) started the label in 1986 as an audio offshoot of our Kicks Magazine which we had been publishing since 1979. The label is focused on music that has been forgotten by the main veins that feed the public. It’s been a struggle from the start but in celebrating the label’s 25th anniversary exactly one year ago, we truly felt that we have reached a point where we could at least continue with releasing records and exposing people to the greatest rock n roll on the planet. Here we are today, soaked to our skin with so much destruction.

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Nearly all of the Norton Records stock – our label’s LPs, CDs, 45s, picture sleeves, CD booklets, record labels and more, as well as the stock on other labels we distribute including Relic, Crypt and Stompin’ merchandise plus mail order-only stock he entire Kicks Books and Kicks Magazine stock was destroyed. We have small existing quantities of things at our home office, but very little. Thankfully, two full printings of the latest Kicks Books, GETTING IN THE WIND by Harlan Ellison and LORD OF GARBAGE by Kim Fowley, are high and dry at the printer.  Also, our new releases are scheduled in as soon as trucks are rolling- several new El Paso volumes, T. Valentine and Daddy Long Legs, the Horror Of Party Beach guys The Dynamic Delaires ZOMBIE STOMP, and  Kim Fowley KING OF THE CREEPS LP/CD. Release date is Nov. 20 for all things new. Our entire Norton archive went underwater, including all of our correspondence, photos, documents, reviews, master tapes, ephemera, posters, including at least ¾’s of my vintage paperback collection (several thousand books) and virtually all of the old magazines and fanzines which went back to the 1940’s, again, numbering into the several thousands, interview tapes, 25 years of correspondences with Norton artists, original photographs, original rock n’ roll and movie posters, Norton business records, family items, furniture, musical equipment, my Del-Aires-owned 1962 Slingerland drum kit (Ironically we have just released the Del-Aires LP, after years in the process–!– I’m goint to drag the kit out of the swampy rubble today, having set it to drain last week. If it’s bent and banged, so be it. Maybe it’ll be a new even more “warped sound” for the A-Bones and Figures of Light), recording equipment, our 1948 Lady Robin Hood pinball machine, Billy’s baseball collection….all waterlogged, and mos of it, if you will excuse the expressiton, dead in the water. The shock and horror of the loss on every level is difficult to deal with, but we are clinging to the hope of surviving as a label by saving the records. We will them proceed with re-manufacturing 7” sleeves and LP jackets one title at a time. We are hoping to still ship new releases by November 20th, and hope you guys and gals will get aboard with these releases, as we try very hard to get on track.

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We have a mind boggling 2013 release schedule for Norton Records and Kicks Books and it’s our hope that we can still DO IT. Billy’s Ultimate Kim Fowley Singles Discography 1959-1970 which was scheduled to appear on our website to coincide with Kim’s new book and album has been postponed indefinitely. We thank our friends at Interfuel who have worked diligently to launch our new website, which is on hold right now until we can assess what we need to remove from availability. We ask a few questions- can you people deal with 45’s without sleeves, in other words, will you buy our 45s if they just have white sleeves right now– it will take a long time and a lot of long green to get new sleeves made for all of them? Please let us know if any of you geniuses have ideas on how we can carry on, or move forward. We think if we get even a few volunteers with scanners and laptops and maybe drying space who can help dry documents and scan them. Like maybe one person would be willing to take a few artist files, separate and hang them to dry and then scan them.. how does that sound? That’s one thing that is a race against the clock. But vital is getting the vinyl washed and dried and resleeved.

                           VOLUNTEERS

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We could not have even gotten this far without the help of so many amazing volunteers – friends, family, neighbors and complete strangers. Fellow record companies like Sundazed, Daptone, Telstar (US) and even Sony Legacy have sent their able people over to provide their muscle and hustle. Norton Records is still in desperate need of volunteers to clean vinyl. Some much needed good news – the wonderful folks at the Spin-Clean Record Washer Company have donated a dozen record washing machines and gallons of cleaning fluid to help our cause. We can’t thank them enough as this will speed up our recovery process. If you would like to volunteer with our salvaging effort and clean records at our Prospect Height, Brooklyn office any day or time between 11AM-11PM,  please e-mail us at email hidden; JavaScript is required with VOLUNTEER in the subject line or call 718-789-4438 (office) or 917-671-7185 (Billy’s cell phone) and we will give you directions and updated information. No text or facebook replies for volunteering please.

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RY COODER (4)

„Great victory against bad people!“



DER TAG

heute ist einer mit einer guten Nachricht.

Und hier kein Outtake, aber ein toller Film:

http://www.youtube.com/watch?v=p-KdBGALnUQ&feature=related



OUT TAKE (FÜR DICH)

Thema:unglaubliche Outtakes. Hier einer von Nils. Auf keiner Platte.

http://www.youtube.com/watch?v=8IWuYYKOmL8



ANTWORT

Frage an Townes van Zandt: Worum gehts in Pancho and Lefty?

Antwort: Er wisse es selbst nicht.

Ja. Man weiß es selbst nicht. Man macht es. Weiß es aber selbst nicht – nicht genau jedenfalls. Oder kann es nicht genau ausdrücken, also nicht noch genauer.

Und will nicht. Wozu auch.

Du machst es und hast es gemacht. Und hast es nichtmal ganz genau, bis zum Letzten, entdecken können.

Weil es nicht geht.

So läuft das.

So ist das.

Alles andere ist Spielgeld.



ROCK’N’ROLL FEVER (4)

„…you will be saved by Rock´n´Roll“, hat jemand ins Kondolenzbuch für Nils Koppruch geschrieben. Und ich will hoffen, dass es so ist.

Die Ausstellung „Rock´n´Roll Fever“ mit den Bildern von Guido Sieber wird, inzwischen (nach Frankfurt, Kassel, Berlin) zum 4. Mal, am 22. November in Schwerin eröffnet. Aus unserem bei Edel erschienenen Katalog hier der Text zu Washboard Sam, der am 6. November 1966 die Welt, die wir nicht kannten, verlassen hat:

„WASHBOARD SAM (Abb. 4) montierte den Teller eines Plattenspielers auf sein Waschbrett, um mehr Sound und Power zu haben. Im Chicago der 30er-Jahre wurde er zum beliebtesten Schrubber, nachdem er, wie üblich, die Ausbildung auf der Straße abgeleistet hatte. Seine jazzy pulsierenden Aufnahmen, die er auch als „Ham Gravey“ oder „Shufflin´Sam“ veröffentlichte, wurden mit Gitarre, Klavier, Klarinette verstärkt und waren erfolgreiche Vorläufer des heftiger werdenden Chicago Blues der 40er, in dessen elektrischem Trubel er nicht mehr mitmischte.

Eine frühe Blues-Karriere mit versöhnlichem Ausgang: Robert Brown alias >Sam machte bis 1947 Aufnahmen. Dann gab er die Musik auf und wurde in Chicago Polizist. Er führt mit seiner Familie ein ruhiges Leben im Süden der Stadt<, schreibt Samuel B. Charters, der vielleicht beim Schreiben so gerührt war, dass er ein paar spätere Aufnahmen zu erwähnen vergaß, ebenso das kleine Comeback, das den Cop sogar nach Europa führte, kurz vor seinem Tod 1966.“



NILS KOPPRUCH

hat den Song „Eckensteher“ über die Melodie eines alten Hamburger Volkslieds von Ludwig Wolf für das Trikont-Album „return of the TÜDELBAND (inspired by Gebrüder Wolf)“ geschrieben und mit seiner Band Fink eingespielt:

ECKENSTEHER

Mit den Eckenstehern steh ich in den Ecken rum / Und wir warten drauf dass irgendwas geschieht / Und wenn endlich was passiert stoßen wir uns an / Weil wir wussten dass sich irgendwas ergibt / Und wir wissen auch genau dass es so weiter geht / Wenn nicht irgendwann mal irgendeiner sagt / Lasst uns eine Ecke weiter gehen / Irgendwann komm´n die andern nach

Jo ne, doch, ne ich sag mal so / Mann muss ja sowieso / Irgendwann mal weg von hier / Und warum dann nicht jetzt schon

Und ich denk an all die Ecken wenn´s zu Ende geht / An all die Ecke wo ich schon mal stand / Und ich denk an all die Straßen die ich runter ging / Und all die neuen Ecken die ich dann noch fand / Und jetzt wart ich noch auf meinen letzten Atemzug / Und dass ich noch zum letzten Male sag / Lass uns eine Ecke weiter gehen / Irgendwann komm´n die andern nach

Jo ne, doch, ne ich sag mal so / Man muss ja sowieso / Irgendwann mal weg von hier / Und warum dann nicht jetzt schon.

***

Außerdem von Fink auf dem Album (US-0313, 2003) eine Coverversion des Ludwig Wolf-Schlagers „snuten un poten“.  Ebenfalls als Originalveröffentlichung von Nils (unter dem Bandnamen Mann ohne Schmerzen, mit Andreas Voss) erschien auf dem Trikont-Album „a boy named sue – Johnny Cash revisited“ 2002 ein Cover von „Big River“ (er sang englisch). (Die Songs von Fink bzw. Nils Koppruch auf den Compilationen Perlen Deutschsprachiger Popmusik Vol. 2 und 4 waren Auskopplungen von den Alben).

Hier die Diskographie der Alben mit Fink, Solo und Kid Kopphausen:

http://nilskoppruchsupport.wordpress.com/