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ALLES GUTE BERND SCHUSTER!

Ah, ich dachte schon, das wird heuer nix mehr. Aber langsam kommen sie, die besten Meldungen des Jahres. Wir leihen uns die Meldung von den Online-News der Neuen Szene. Und rufen aus ganzem Herzen in die Welt hinaus: Alles Gute zum Geburtstag, Bernd Schuster! Mögen die Götter deiner Wahl immer auf deiner Seite sein!

„Na also: Der blonde Engel ist zurück in der Bundesliga! Der gebürtige Augsburger Bernd Schuster wird nach einem NDR-Bericht neuer Trainer beim VfL Wolfsburg. Der 52jährige löst Interimscoach Lorenz-Günther Köstner ab, den mit Abstand nervigsten Übungsleiter im deutschen Fußball.

Bernd Schuster, der übrigens am 22.12. seinen Geburtstag feiert, war bis jetzt in Deutschland nur als Zweitliagtrainer aktiv, bei Fortuna Köln und dem 1. FC Köln. In Spanien wurde er immerhin Meister mit Real Madrid, zuletzt betreute er Besiktas Istambul. Am vergangenen Dienstag war der frühere Mittelfeldspieler des SV Hammerschmiede zu Gast bei der ARD-Übertragung des Pokalspiels FCA – Bayern München (0:2).

Am 02. Februar 2013 reist der FC Augsburg zum Rückrundenspiel nach Wolfsburg. Ob es dann der jetzige FCA-Coach Markus Weinzierl sein wird, der Schuster die Hand schüttelt, ist fraglich.“

Foto: Florian K/Wikipedia Quelle: http://www.neue-szene.de/magazin/sport/der-blonde-engel-zur%C3%BCck-der-bundesliga

NACHTRAG 15.29h Und damit haben wir auch gleich eine der schönsten Vorschnellfalschmeldungen des Jahres. Und damit ist nicht Bernd Schusters Geburtstag gemeint. Sicher ist jedoch dies: Dieter Hecking ist nicht Bernd Schuster.



MUTTER THERESA SAGT

Die Welt, die von Gott erschaffen wurde, wäre schöner, wenn alle Menschen tolerieren lernen würden, dass sich andere Menschen an Weihnachten anders anziehen als man sich selbst anziehen möchte.

(Wir wissen nicht, bei wessen Anblick die Mutter Theresa das sagte, aber bestellen Sie diesen heißen Skianzug nur bei partyalarm.de und nennen Sie den Namen dieses Blocks, dann erhalten Sie obendrein ein schönes Giveaway!)

 



BRECHTFESTIVAL AUGSBURG 2013

Es ist nicht mehr lustig. Ich kann nicht dauernd durch „meine“ Stadt – das „eher etwas dämliche Augsburg“ (Zitat von mir, ich wiederhole mich gern) – laufen und dabei ständig Gefahr, dass man mich fragt, jaha, warum bist du denn nicht beim sensationellen Brecht-Festival 2013 dabei?! Ausgerechnet in oho deiner Stadt?!(Mit so´nem Unterton).

Ja, warum: Weil ich zu blöd bin? Weil ich zu rechts bin? Weil meine Texte nicht schön genug geschrieben sind?

Dann sag ich´s mal so: Beim letzten Festival – oder war es das davor? Egal, wen interessiert dieser fuckin Shit… – war ich eingeladen und antwortete wahrheitsgemäß: ich hätte a) gerade sehr wenig Zeit und legte b) keinen so wahnsinnig großen Wert darauf, bei einer städtischen Veranstaltung, die letztlich unter der Hand dieses Kulturreferenten geschehe, mitzuspielen. Peter Grab heißt der Ersatzbürgermeister, wahrscheinlich Dr., ich habe keine Ahnung, will auch keine haben. Der eingetragene Verein, für den er im Stadtrat seinen irrsinnig harten wie tollen Job macht, heißt „Pro Augsburg“.

Ich frage mich jetzt, ob sich an meiner Einstellung etwas geändert hat. Muss ich mal drüber nachdenken. Wenn ich mal Zeit habe, mich um diese Art Quatsch zu kümmern.

Denn wie schon der große Brecht sagte: Sei gut zu denen, die dir wohl gesonnen, und zu deinen Feinden, so sie dir keinen Frieden gewähren, sei hart und lasse sie nicht über dich herrschen.



PLÄNE MACHT MAN

damit man was hat, was man aus dem Fenster werfen kann. (Tucholsky? Amy Winehouse?? Muhammad Ali???)

Hier sind die von mir, die es dann anscheinend doch überlebt haben, wenn mich nicht alles täuscht:

Am Samstag, 22.12., erscheint in der Weihnachts-/Wochenendbeilage der Tageszeitung junge Welt meine brandneue Erzählung „Heimat ist da, wo man sich aufhängt“, die, was ´n Wunder, Eine Weihnachtsgeschichte ist. (In Städten unter 750tausend ggf. nur am Bahnhof erhältlich). Tatsache: Die Story gibt Ihnen auch einen Eindruck von dem Roman, an dem ich derzeit arbeite und der, voraussichtlich im Frühjahr 2014, bei Klett-Cotta-Tropen erscheint.
Die Schweiz-Tournee im Januar mit den von mir übersetzten Erzählungen „In den Straßen von Los Angeles“ von Ry Cooder (Edition Tiamat) steht: 27. Schaffhausen, 28. Bern, 29. Luzern, 30. St.Gallen (Details auf meiner Homepage). Etwas später bin ich dann endlich wieder mal im El Lokal von Zürich. Hier im Block können Sie den Text lesen, den ich zu Buch und zur deutschen Veröffentlichungsgeschichte für das Magazin Core der Verlagsabteilung Heyne Hardcore schrieb, wo das Taschenbuch am 12.8.2013 erscheint: „Ry Cooder (5).
Organisiert wurde die Tour von meiner neuen Managerin: Evelyn Rahm von der Berliner Kulturagentur Rahm. Wer mich kaufen möchte: http://www.kulturagentur-rahm.de/?page_id=11
Und was Besonderes: im Rahmen des Literaturaustauschprogramms „Polska/Bawaria“ bin ich am 6.2. im Literaturhaus Oberpfalz in Sulzbach-Rosenberg Gastgeber, Moderator, Dojczleser und Bodyguard von Andrzej Stasiuk. Ich habe keine Ahnung von polnischer Literatur, bin aber seit Jahren Fan von Stasiuk, einem der größten. Ich weiß nicht womit, aber ich habe das verdient.
   


NILS KOPPRUCH (9): IM RADIO

NachtmixPlayback: Nils Koppruch (1965-2012)

Samstag, 22.12.2012   23:05 bis 00:00 Uhr / Bayern 2 Radio

Playback: Nils Koppruch. Mit Thomas Mehringer und Mattias Hacker



IRA COHEN SAGT

You write because you have

something to say

or you write because you have

nothing to say

(kaufen Sie dieses Buch, das ein  schönes Heft ist: Ira Cohen/Jürgen Ploog/Florian Vetsch: A Night in Zurich. 48 S. Verlag Der Kollaboratör, Luzern 2012)



RY COODER (5)

Seine Erzählungen „In den Straßen von Los Angeles“ erscheinen am 12.8.2013 bei Heyne Hardcore als Taschenbuch, und für deren Magazin Core habe ich diesen Text dazu geschrieben:

DER GITARRERO RY COODER: AM WORTSCHATZ

Ohne den Leser hier mit intimen Details überfordern zu wollen: als ich 1986 meine Frau heiratete, brachte sie noch etwas mit in die Ehe, für das ich ihr bis heute sehr dankbar bin, zwei Platten des mir damals unbekannten Gitarristen Ry Cooder. Was mich schon damals beschämt eingestehen ließ, dass ich beim Film Paris, Texas wohl mehr auf Nastassja Kinski als auf den Schöpfer der Filmmusik geachtet hatte. Aber wer von euch Bibelkennern wirft jetzt ´nen Stein?

Als ich dann 25 Jahre später mit Heynes Hardcover-Boss Patrick Niemeyer bei einem Kaffee am Münchner Hauptbahnhof saß, hatte ich ein paar Cooder-Platten mehr; falls jemand mehr hat, kann das nur Niemeyer sein. Wir palaverten in der Sonne so rum und ließen Gott einen guten Mann sein, als er plötzlich eine Information preisgab, die mich und den Tisch umhaute.

„Das ist ja ein verdammter Hammer!“, schrie ich.

Wir waren uns sofort einig, dass Cooders Los Angeles Stories (die zu diesem Zeitpunkt noch nichtmal im Original erschienen waren) auch bei uns veröffentlicht werden mussten, auf Biegen und Brechen und im Angesicht der Papierbuchkrise sowieso. Basta! Wir gaben uns die Hand drauf, jeden Hebel, den wir kannten, in Bewegung zu setzen. Und es kam genau so, wie wir es uns in diesen Minuten gewünscht hatten, und es war, bis hin zu dieser Hardcore-Ausgabe, eine Aktion unter Freunden.

Produkt-InformationTB

„Ziemlich bescheuert, sich sofort so weit aus dem Fenster zu lehnen, ohne das Ding gelesen zu haben!“, hätte man damals zu uns sagen können, „warum bitte soll ein 63 Jahre alter Mann, der 50 Alben eingespielt und produziert hat, ein gutes Buch schreiben, das nichtmal seine Autobiografie ist und keine wilden Details seiner frühen Jahre mit Cpt Beefheart oder den Stones und keine schönen Fotos von seinen Kuba-Abenteuern mit dem Buena Vista Social Club auffährt?!“

Aber allein die Tatsache, dass Cooders Erzählungen in Lawrence Ferlinghettis legendärem Verlag City Lights erschienen, war ein Dutzend Beweise für Qualität. Und Ry Cooder selbst hat dazu diese Anekdote: Es war Bob Dylan, der ihm klar machte, er müsse sich mehr ums Merchandising kümmern und ihn überredete, seine Stories selber drucken zu lassen und bei Konzerten zu verkaufen. Tja, das Ergebnis sei Pfusch und die Einnahmen null gewesen. Jedoch: City Lights trat in die Tür und bat, das Buch jetzt mal richtig verlegen zu dürfen.

Produkt-InformationCity Lights

Und nicht irgendwo, sondern in der Noir-Serie. Bei den dunklen Krimis. Die viel weniger Hoffnung enthalten als die Stories von Ry Cooder. Die allerdings alle auch von Verbrechen und Mord erzählen – viel mehr jedoch von taffen Damen, Arbeitslosen, diskriminierten Mexikanern, Gangstern, Transvestiten, Glücksrittern und Spinnern im L.A. der 40er und 50er Jahre. Die vielen Musiker nicht zu vergessen. Und mit: John Lee Hooker!

Mal ganz einfach gesagt: Es hätte mich doch etwas nachdenklich gestimmt, wenn der Mann, der den meisten Werken des großen Actionfilmers Walter Hill den Soundtrack verpasste, ein schlechtes Buch geschrieben hätte. Dass es eine Art Rückendeckung ist zu seinen neueren, im Woody Guthrie´schen Sinn gegen den reaktionären Teil der USA agitierenden Alben, hatte man erwarten können – dass es so gut ist, nicht unbedingt.

Produkt-Informationaktuell bei Edition Tiamat

Ry Cooder selbst betrachtet sein Schreiben übrigens ohne diesen verklärten Blick, der für die meisten Autoren überlebenswichtig zu sein scheint: „It’s just me fooling around, like with music in the same way. Like writing a song.”



NOCH EIN MITARBEITERiN

der/die glaubte, über uns auspacken zu müssen/können/dürfen. Auch noch unter Pseudonym. Das sind uns die liebsten.

Aber wie schon der Titel ankündigte, unter dem Cole Younger Vorträge hielt, nachdem er sich vom Bösen abgewandt hatte: Verbrechen zahlt sich nicht aus. Auch ein Buch kann ein Verbrechen sein. If in doubt, fragen Sie IhreN BuchhändlerIn.

Im Bücherschrank Ihrer Oma stand das Ding vielleicht auch in dieser Verpackung:

Das Filmplakat, vor dem Ihre Oma zum ersten Mal den Opa küsste, sah jedoch so aus:

Deadline at Dawn Dvd cover

Anyway. Unsere Ex-MitarbeiterInnen können auspacken, was sie wollen. Wir überleben sie alle. Weil das unser verdammter Job ist. Und den machen wir so gründlich wie emotionslos.  Sagen Sie das Ihrem Anwalt. Auf dem Golfplatz. Oder wo sonst er Sie aufs Kreuz legt.



DER ROMAN DES JAHRES 2012 (KNASTLESEN 2)

ist für mich kein anderer als dieser:

Andreas Niedermann hat mit seinem 8. Roman – der erste, „Sauser“, ist 1986 bei Edition Nautilus/Edition Moderne erschienen – seinen besten geschrieben. Was für einen Autor des Jahrgangs 1956, der so lange in den Wortfeldern unterwegs ist, keineswegs normal ist. (Wir lassen uns jetzt nicht darüber aus, was wir für normal halten).

Ein Kriminalroman, der in der Schweiz in den Zeiten von „Züri brennt“ spielt. Und der nebenbei mehr über die Arbeit des Schreibens und das Veröffentlichen und das Leben damit erzählt, als fast alle Bücher, die ich kenne, die behaupten, sie würden einem darüber etwas erzählen. Sowohl was die kriminelle Aktion als auch das Schreiben betrifft, bekommt man hier stark präsentiert: den Unterschied zwischen einem Autor, der spürbar weiß, wovon er schreibt – was ja nicht heißt, er müsste alles genau so selbst erlebt haben etc. -, und den vielen Angebern, die etwas behaupten, von dem sie zu wenig Ahnung haben. Weil hingeschrieben ist ja immer schnell was. Man erkennt den einen wie den anderen fast immer schon an seinem Stil. Eine Schriftstellerin, die sich in dem, worüber sie schreibt, ein wenig auskennt, kann sich mehr auf ihren Stil konzentrieren.

Ich habe das Buch in einer meiner Knastvorlesungen im Jugendarrest vorgestellt. Es war bald ruhiger als sonst. Vielleicht weil die meisten meiner Kinder schnell merkten, dass sie mal wieder besser Ohren und Hirne so weit wie möglich einschalten sollten. Denn dies sind die ersten Sätze: „Ich bin ein Scheißkerl. Einige sagen, ich sei nur kriminell, aber das trifft die Sache nicht genau. Wer sich umhört, kann auch auf die Meinung stoßen, dass ich ein Künstler sei. Diese Ansicht sollte man nicht ernst nehmen. (…) Kriminell zu sein ist einfach. Diesen Titel kriegt man umsonst. Der wird bei jedem Ladendiebstahl mit eingepackt. Aber Scheißkerl nicht. Den muss man sich erarbeiten.“

Etwa an dieser Stelle habe ich erstmals kurz unterbrochen, um zu sagen: „Wer von euch jetzt den Eindruck hat, ich lese euch das vor, um euch zu sagen, was ihr tun oder lassen sollt, der täuscht sich, das interessiert mich nämlich einen Scheiß.“

Eine 16-jährige Frau verfolgte das derart fasziniert, auch fassungslos, vollkommen überrascht und alle Ablenkungsversuche konsequent ignorierend, dass ich ihr das Buch danach schenkte. Ich wusste, dass sie es vom Christkind nicht geschenkt bekommen würde. Das Christkind, das in das Heim für Waisen und Kinder aus Problemfamilien kommt, in dem sie nach ihrem Arrest wieder abgeliefert wird, verschenkt solche Bücher nicht.

Ich habe das Vergnügen und die Ehre, den Schweizer Autor (und Verleger) seit 25 Jahren zum Freund zu haben. Außerdem hat er meinen letzten Gedichtband verlegt. Ich finde es schwierig, über die Arbeiten von Freunden zu schreiben. Wie schon Ernst Jünger, ich glaube in „Autor und Autorschaft“, hinreichend dargelegt hat: Über seine Freunde und Feinde sollte man sich öffentlich nicht auslassen (ebenso wie man für Applaus so empfänglich sein sollte wie für Kritik, nämlich am besten gar nicht). Ich finde das bedenkenswert.

In seinem Blog auf songdog.at schrieb Niedermann vor einigen Tagen über ein tolles Beispiel für die Art Kumpelei, der man einfach nur in die Eier treten sollte: eine Jury prämierte das Buch aus dem Verlag des Schweizer Verlegers Urs Engeler, ohne dass sich jemand daran gestört hätte, dass der Engeler in der Jury sitzt und eines seiner Bücher im Rennen ist. In Deutschland sind das die Momente, in denen jemand eine scheinbar ultraseriöse Rede über seine Scheißleitkultur hält, die dann auf irgendeiner Literaturseite reingedrückt wird.

Nun gut. Hier also einige Stimmen zum Buch, die das sagen, was ich schreiben würde. Viel mehr gute Zeugen und Kritiken kann ein Autor für sein Werk nicht bekommen:

“Andreas Niedermann, dem in Wien lebenden Schweizer Autor und Buchverleger … ist mit „Goldene Tage“ ein wunderbarer kleiner Roman geglückt. Ohne Special Effects und ohne etwas künstlich aufzupeppen. Ruhig, stilsicher, elegant und reduziert ist Niedermanns Prosa, und man fühlt sich von ihr aufs beste unterhalten.“ Schrieb Klaus Bittermann in der jungen Welt, und es gibt sehr wenig zeitgenössische deutsche Literatur, für die Klaus Bittermann, Verleger der Edition Tiamat (wo kein Buch von Niedermann erschienen ist), solche Worte auffährt.

„Ein Buch, das durch seine Authentizität und herbe Schönheit wie ein funkelnder Nugget aus dem Bodensatz gegenwärtiger Neuerscheinungen hervorsticht”, schrieb Benedikt Kramer (Hrsg. des Superbastard, in dem auch Niedermann-Texte veröffentlicht wurden) nicht in irgendeinem, sondern im derzeit besten deutschen Literaturmagazin,  Drecksack.

Auf satt.org ist zu lesen.“Im Subtext – und dies macht den Roman zu einem Stück echter, großer Literatur – handelt Goldene Tage davon, wie man mit der Vergangenheit umgeht.“

 

Andreas Niedermann: Goldene Tage. Roman. 210 S. Songdog, Wien 2012



HELL

Lothar Adler: Amok. 128 S. edition belleville, München, 2000.